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Inklusives Wohnen

NRW-Leuchtturmprojekt

Vom Land NRW wird das Projekt als ein sogenanntes Leuchtturmprojekt des inklusiven Wohnungbaus gefördert (Förderart: WFB + BWB). Es besteht zur einen Hälfte aus einer Clearingstelle für begleitete Elternschaft; einer Einrichtung für zwölf Eltern mit Behinderung und ihren Babys, zur anderen Hälfte aus gefördertem Wohnungsbau mit barrierefreien Familienwohnungen.

Konzept und Entwurf: Büro für Soziale Architektur

Zusammen mit der BGW- Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH und den v.Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel erarbeitete alberts.architekten das Konzept für das erste inklusive Wohnprojekt. Die BGW hat ein sechsgeschossiges Gebäude an der Eichenstraße in Ummeln abgerissen und realisiert hier in Kooperation mit Bethel ein Wohnprojekt für Eltern mit einer geistigen Behinderung und ihren Kindern:

In dem neuen Gebäude befinden sich Wohnraum für Familien sowie die Clearingstelle "Begleitete Elternschaft" für Eltern mit geistiger Behinderung. Durch das Zusammenleben Tür an Tür wird Inklusion gelebt. Das Projekt ist in dieser Form bisher einzigartig.

Inklusion als Ort der Begegnung

"Menschen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf Elternschaft wie Nichtbehinderte. Und sie lieben ihre Kinder wie alle anderen Eltern auch. Aufgrund ihrer intellektuellen Defizite benötigen sie aber deutlich mehr Unterstützung, um Erziehungskompetenz zu erlangen."

Für die Clearing-Stelle und das Zusammenleben Tür-an-Tür und das dazugehörige Gebäude in der Eichenstraße entwickelte alberts.architekten das Konzept. Elke Maria Alberts achtete mit Ihrem Entwurf besonders darauf, dass Begegnungen zwischen den Nutzergruppen möglich sind, aber ebenso das Höchstmaß an Privatheit gegeben ist. In Bielefeld-Ummeln steht das Projekt "Inklusives Wohnen" nun kurz vor der Fertigstellung, zum Jahresbeginn 2017 sind bereits Familien eingezogen.

Für das Clearingangebot sind 24 stationäre Wohnheimplätze inklusive zwei 3-Zimmer-Wohnungen sowie eine Kindergruppe eingerichtet. Ein multiprofessionelles Team sorgt hier für eine 24-Stunden-Betreuung von Eltern und Kindern.


Inklusives Wohnen
Inklusives Wohnen, Konzept, Entwurf und Visualisierung: alberts.architekten

Clearingstelle "Begleitete Elternschaft"

Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel wollen eine Einrichtung, die für Familien einen zeitlich begrenzten Aufenthalt ermöglicht. In dieser Einrichtung werden Eltern, die in ihrer geistigen Entwicklung beeinträchtigt sind und als Familie mit ihren Kindern in eigener Wohnung zusammenleben möchten über einen Zeitraum bis maximal neun Monate betreut und beobachtet, das Ziel ist eine Entscheidung für oder gegen ein gemeinsames Leben mit dem Kind. Im Mittelpunkt steht dabei der Anspruch des Kindes auf eine geschützte und ungestörte Entwicklung in einer anregenden und fördernden Umgebung. Die Clearingstelle mit Wohnungen für Mütter mit geistiger Behinderung sind in den ersten beiden Geschossen angesiedelt.

Zusätzlicher, in Bielefeld fehlender Wohnraum für Familien

In der dritten und vierten Etage entstehen zehn öffentlich geförderte Wohnungen für Familien mit größerem Platzbedarf, 95 und 112 Quadratmetern, die in Bielefeld-Ummeln fehlen. Somit werden die Bewohner in dem Gebäude Inklusion wirklich leben, ein solches Projekt ist bisher einzigartig. Die Wohnungen sind öffentlich gefördert und haben einen niedrigen Mietpreis.

Menschrecht: Inklusion und Elternschaft

Dass auch geistig behinderte Eltern Kinder haben, wurde lange Zeit weder wahrgenommen noch gesellschaftlich akzeptiert. Bereits die Möglichkeit des Zusammenlebens von geistig behinderten Eltern und ihren Kindern wurde meistens ausgeschlossen.

  • In Paragraf 23 der Behindertenrechtskonvention der Vereinen Nationen (UN), die 2008 von Deutschland ratifiziert worden ist, ist festgelegt, dass auch in Fragen, die Ehe, Familie, Eltern- und Partnerschaft angeht, Menschen mit Behinderung gleichberechtigt sind.
  • Die Vertragsstaaten müssen geeignete Maßnahmen treffen, um Diskriminierung auch auf diesem Sektor zu beseitigen.
  • Die Vertragsstaaten müssen Behinderte in angemessener Weise bei der Wahrnehmung ihrer elterlichen Verantwortung unterstützen.