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Blick auf den Eingang Projekte und Referenzen Wettbwerb Waldorschule Magdeburg Neubau des Ganztagsschulgebäudes |
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Projekt |
Ganztagsschulbereich mit Küche, Speisesaal und separatem Oberstufenbereich für insgesamt 80 Schülerinnen und Schüler |
Personen |
Raum und Betreuung für circa 90 Kinder |
Beheizte Nettogrundfläche |
686 m² |
A/V |
0,38 (1/m) - Quotient der wärmeübertragenden Hüllfläche und dem beheizten Gebäudevolumen |
Bruttorauminhalt |
3544 m³ |
Schwerpunkte |
3-fach Verglasung der Fenster, passive Kühlung und Lüftung, erhöhter Wärmeschutz, Regelungstechnik, Baustoffökologie |
Der Neubau des Ganztagsschulgebäudes wird das vorhandene Nachmittagsangebot für die Schüler ab der fünften Klasse erweitern. Für Förderunterricht und kreatives Arbeiten wird ebenso Raum geboten wie zum Toben und Ausruhen. Die Oberstufenschüler erhalten einen separaten Bereich mit eigener Teeküche und Bibliothek. Zentraler Bereich des Neubaus ist der Speisesaal, der auch für Abendveranstaltungen genutzt werden kann.
Der Neubau ist als einhüftiger zweigeschossiger Holzskelettbau geplant und nicht unterkellert. Die Erschließung erfolgt über das Foyer und die zentrale Treppe. Das Obergeschoß ist zusätzlich über eine Rampe an der Westfassade zu erreichen. Die Hauptträger aus Brettschichtholz verlaufen quer zur Achse des 32 Meter langen Gebäudes. Die vorgehängte Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Holz und Aluminium ist zum Schulhof raumhoch verglast. Die Aluminiumfester mit Dreischeiben-Wärmeschutzglas sind mit einem außen liegenden permanenten Sonnenschutz aus unbehandeltem Lärchenholz kombiniert, der sich von Ostteil der Hauptfassade nach Süden hin kontinuierlich verdichtet.
Die Außenwände sind eine vorgefertigten Holzrahmen-konstruktion, die 24 cm stark mit Zellulose gedämmt und nach außen mit einer hinterlüfteten Lärchenholzverschalung verkleidet sind. Das Dach aus Trapezblech, nach Westen weit überstehend, hat eine Dämmung aus 8 cm Holzweichfaserplatte und 20 cm Zellulose. Ungewöhnlich ist die Dämmung der Bodenplatte aus geschäumtem Altglasbruch, der gleichzeitig auch zur Festigung des Baugrundes dient. Mit seiner Rückwand lehnt sich das Gebäude an die vorhandene Geländekante an. Die Aussenwand hat hier zusätzlich zur Zellulose-Dämmung auf ihrer Innenseite eine Lehminnenschale als klimaregulierendes Bauteil. Im Obergeschoss sorgt das in den Oberlichtern eingesetzte lichtstreuende Isolierglas für eine transparente Wärmedämmung und zugleich für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Räume. Vom Pausenhof vor dem Haupteingang der Schule führt eine Rampe in den Ganztagesbereich. Um einen barrierefreien Zugang zum Obergeschoss zu gewährleisten wurde das gesamte Gebäude tiefer in den Schulhof gelegt, und damit die Rampenlänge verringert.
Einfache Materialien und Konstruktionen sorgen für eine kostensparende Ausstattung des Ganztagsschulgebäudes. So ist der Boden farbig gestrichener, rutschfester Zementestrich, und die Innenwände im Obergeschoss behalten ihre Oberfläche aus Grobspanplatten und sind nicht zusätzlich mit Gipskarton verkleidet. Oberlichter in den Innenwänden schaffen eine durchgehende Grundbeleuchtung. Die Untersicht von Dachkostruktion und Decken ist mit einfachen Mitteln wie lasierten groben Schalbrettern, die mit Dämmung hinterleg sind, akustisch wirksam, wodurch eine zusätzliche Akkustikdecke eingespart werden kann.
Zentrale Elemente der Neubauplanung sind ein reduzierter Heizwärmebedarf und der Einsatz von thermisch aktiven Bauteilmassen zur Speicherung der Wärmeenergie, eine weitgehend natürliche Belüftung und Belichtung, sowie die passive Nutzung der Solarenergie.
Die kompakte Gebäudeform trägt zu einem verminderten Energieverbrauch bei. Sämtliche Außenbauteile sind zusätzlich mit einem sehr hohen Wärmeschutz ausgestattet. Eine weitere Besonderheit des Gebäudes ist die innenliegende, zweischalig gemauerte Wand aus ungebrannten Lehmsteinen. Sie bildet gleichsam das Rückrat des Speisesaals im Erdgeschoss wie für den Ganztagesbereich im Obergeschoss. Die thermische Speichermasse der Wand wirkt sich dabei positiv auf die Temperaturverhältnisse in den Räumen aus. Zur Beheizung werden ausschließlich Flächensysteme eingesetzt. Die Geschossdecken haben eine konventionelle Fußbodenheizung, die zentralen Wände verfügen zusätzlich über eine Wandheizung. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird anhand der Luftqualität (VOC) geregelt. Sie umfasst in Speisesaal und Ganztagesbereich zwei getrennte Lüftungsbereiche, die entweder parallel oder alternativ betrieben werden können. Reicht der Volumenstrom für den Speisesaal nicht aus, wird ergänzend über die Fenster gelüftet. Im Sommer ist für die Räume ohnehin Fensterlüftung vorgesehen. Zur sommerlichen Kühlung wird die Nachtlüftung eingesetzt.
Wirtschaftlichkeit
Ein Holzbau ist gegenüber einem konventionell geplanten Gebäude zunächst mit einem etwas höheren Kostenaufwand verbunden. Allerdings spricht für diesen Bautyp nicht nur die deutlich geringere Umweltbelastung während der Errichtungs- und der Nutzungsphase: Denn während die Nutzung regenerativer Energiequellen vor allem der Umwelt zugute kommt, sorgen die minimierten Energiekosten bereits nach kurzer Betriebsdauer für erheblich verminderte Unterhaltskosten gegenüber konventionell errichteten Gebäudetypen. Bei einem angenommenen jährlichen Anstieg der Energiepreise in Höhe von 5 Prozent kann sich die höhere Anfangsinvestition bereits nach wenigen Jahren lohnen.