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Unser Freund Ulf Eltze ist gestorben

Wir sind traurig

Ulf Eltze
Ulf Eltze, Foto: Wehowsky

Hans-Ulrich Eltze, Eingeweihten besser als Ulf bekannt, hat sich allerdings zeitlebens jeder Verzweiflung konsequent verweigert. Stattdessen hat er seine Liebe zur Baukunst genutzt, um daraus Kraft zu gewinnen für ein schier unerschöpfliches Engagement. Brauchte es Fotos und Pläne für eine Ausstellung oder einen Moderator für Bürgerversammlungen, einen Archivar oder einen Experten für städtebauliche Lehrpfade – Ulf war da. Fehlte ein Zuhörer für kaufmännische Klagelieder oder ein Tröster für Verkehrslärmopfer – Ulf war zur Stelle. Zwei Dutzend Schweden suchen sachkundige Führung durch die Sennestadt – Ulf lernt schnell noch ein „Herzlich willkommen“ auf schwedisch.

Architektur als die ewige Sprache der Menschheit – um diesen Grundgedanken entwickelt Victor Hugo seinen berühmten Roman „Der Glöckner von Notre Dame“. Jeder Stein ein Laut, jedes Gebäude ein Wort, und jede geplant errichtete Siedlung ein in sich geschlossenes Manifest, ein Stein gewordenes Buch. Wer heute über Aufgabe und Sinn der Architektur spricht und streitet, muss acht geben, dass auch die Sprache der Steine zu Gehör kommt. Dies gilt besonders dann, wenn das Vokabular sich im alltäglichen Gebrauch verändert. Gerade dann braucht es Menschen, die zu übersetzen verstehen, was in Stein geschrieben steht. Solche Botschafter müssen nicht nur die Sprache der Baumeister beherrschen, sie müssen sie auch denen zugänglich machen, die diesem alten Wortschatz heute mit Unverständnis begegnen. Ohne diese Dolmetscher läuft eine jede Zeit Gefahr, die baulichen Botschaften der Vergangenheit unwiederbringlich zu verlieren.

Hans-Ulrich Eltze war ein besonderer unter den Dolmetschern. Die architektonische Sprache der Sennestadt, für deren Erhalt er sich seit Jahrzehnten stark machte, hat er nicht mühsam erlernen müssen: Er hat sie vielmehr mitgeprägt. Es ist seine Sprache, und mit jedem Wort, mit jedem einzelnen Zeichen ist er so vertraut wie kaum ein anderer unter uns. So wichtige Vokabeln wie Grünes Kreuz, Mischung der Wohnformen oder organische Verkehrsplanung sind keine in sich geschlossenen Begriffe. Sie sind vielmehr tragende Säulen der Vision einer „Stadtlandschaft Sennestadt“. Jede von ihnen steht für ein System von aufeinander bezogenen und abgestimmten Komponenten. Ihre jeweilige Bedeutung und Funktion erschließt sich erst im Zusammenklang aller Teile: Jedem Ding die eigene Gestalt in einem großen Ganzen.

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