Sanierungs-management (KFW 432)

Sanierungs-management (KFW 432)

KfW Award Leben 2022

Das Bielefelder Stadtlabor Sennestadt erhält den KfW Award Leben 2022: Mit dem KfW Award 2022 erhält die Sennestadt eine weitere Auszeichnung für die zukunftsorientierte Stadtentwicklung.
Auf dem deutschen Kommunalkongress in Berlin wurde erstmals der KfW Award Leben an Impulsgeber für die Stadt der Zukunft vergeben. Dabei ging es um Digitale Bildung, Soziales und bezahlbares Wohnen sowie um Energetische Stadtsanierung. Die Sennestadt GmbH hatte den Vorschlag „Stadtlabor Sennestadt – mittels energetischer Stadtsanierung zum Klimaquartier“ eingereicht und wurde mit dem Award prämiert. Bernhard Neugebauer, Geschäftsführer der Sennestadt GmbH, nahm den Preis mit Thorsten Försterling, entgegen.
Sennestadt

Sennestadt

Modellstadt der Nachkriegszeit

Die Sennestadt entstand ab 1954 nach Entwürfen des Stadtplaners Hans Bernhard Reichow in der Heidelandschaft im Süden von Bielefeld. Sie war neue Heimat für viele Flüchtlinge und galt im Nachkriegsdeutschland als ein gepriesenes Beispiel des organischen Städtebaus und der modernen, autogerechten Stadt der Zukunft.

Fünf Jahre Energetische Stadtsanierung

Fünf Jahre Energetische Stadtsanierung

Sanieren im Sinne des Sanierungsmanagements bedeutet vor allem Qualität und Kommunikation: Informieren und Vernetzen, Ergebnisse von bleibendem Wert erzielen, eine effiziente und nachhaltige Sennestadt entwickeln. Dabei die Dinge ganzheitlich sehen und jede Einzelmaßnahme als Teil eines lebendigen und organischen Ganzen zu begreifen – das hat in der Sennestadt Tradition. Zugleich entspricht es zentralen Anforderungen des 21. Jahrhunderts.

„Qualität und Kommunikation“

Fachtagungswoche und Buch „Gutes Klima im Quartier“

Fachtagungswoche und Buch „Gutes Klima im Quartier“

Im September 2016 koordinierte die Sennestadt GmbH aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens eine 6-tägige Fachtagungswoche in Bielefeld-Sennestadt. Zahlreiche Veranstalter widmeten sich den Themenfeldern „Identität schaffen“, „Energie neu denken“, „Neues Bauen“, „Energetisch Sanieren“, „Mobil sein“ und „Prozesse entwickeln“.
Zu Gast waren u. a. Experten wie Prof. Dr.-Ing. Grit Behrens, Filmemacherin Anna Ditges, Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Club of Rome, Oberbürgermeister Pit Clausen, TV-Metereologe Sven Plöger, NRW Umweltminister Johannes Remmel, Prof. Dr. Rolf-Egon Westerheide von der Architektenkammer NRW. Das große bundesweite Interesse von Sanierungsmanagern, technischen und politischen Akteuren am Klimaquartier Sennestadt war schon vorher spürbar und bewies sich in der Tagungswoche, die einen sehr intensiven Austausch zwischen Forschern, Entwicklern, Planern und Praktikern auslöste. Die Tagungsergebnisse wurden 2017 vom Fraunhofer IRB Verlag veröffentlicht. Es entstand ein 150seitiges gebundenes illustriertes Kompendium mit zahlreichen Fotos, Interviews, Reportagen und Checklisten. Herausgeber ist die Sennestadt GmbH unterstützt von der KlimaExpo.NRW.

Wie gelingt die energetische Sanierung einer Stadt aus den 60ern?
Farben der Sennestadt

Farben der Sennestadt

Hans Bernhard Reichow und sein Mitarbeiter Peter Holst haben in den 1960er Jahren dafür gesorgt, dass die Häuser der Sennestadt ein harmonisches Farbmuster erhielten. Mit ihren erdig gehaltenen Farben fügte sich die Sennestadt vor der Kulisse des Teutoburger Waldes in die umgebende Landschaft ein.

 

Für die Menschen entstand ein neues Zuhause, mit dem sie sich identifizieren konnten. Durch individuelle Sanierungen ist das Konzept heute kaum noch erkennbar. 2014 haben der Farbenhersteller Brillux und Peter Holst das Farbsortiment rekonstruiert und durch zeitgemäße Farbtöne ergänzt. Die so entwickelte Farbpalette dient Hausbesitzern in der Sennestadt als Orientierung, wenn sie heute ihre energetisch sanierten Fassaden neu gestalten und dabei die Identität des Quartiers bewahren wollen. Die Farben sind bei Mehrfamilienhäusern, bei der Musterbaustelle, bei Geschäftshäusern und im Bebauungsplan eines Neubauprojektes umgesetzt worden. 2017 war eine Ausstellung im Sennestadtpavillon den Farben der Sennestadt gewidmet. Das Projekt ist für den Deutschen Kulturförderpreis 2018 vorgeschlagen.

farben.sennestadt.de

Transformation zum Klimaquartier und Stadtlabor

Quartiersumfrage
„Nah dran“

 

Um sich ein realistsches Bild vom Stand der Dinge zu machen, hat das Sanierungsmanagement zum Ende des Förderzeitraums in einer Umfrage unter HausbesitzerInnen mit 27 Fragen Details zum technischen Status der Gebäude und der in den letzten fünf Jahren durchgeführten Sanierungsmaßnahmen ermittelt. Da eine Umfrage im gesamten Quartier zu umfangreich gewesen wäre, gab es eine Stichprobe in einem „gut gemischten“ Bestand, der das gesamte Quartier repräsentieren kann. Die Ansprache erfolgte mit einem leicht verständlichen, überschaubaren Fragebogen zum Ankreuzen. Als Belohnung konnten die Teilnehmerinnen einen Energieausweis für ihr Gebäude gewinnen. Die Medien berichteten ausführlich. Von 857 Angesprochenen Haushalten ist ein Rücklauf von 11,1% erreicht worden. Die Antworten wurden statistisch ausgewertet und grafisch dargestellt. Die Ergebnisse sind auch Teil der CO2-Bilanz des Sanierungsmanagements.

„Ohne Wertschätzung kein Sanieren“

 

Mit ca. 7.250 Wohneinheiten entspricht das Gebiet der Energetischen Stadtsanierung dem Stadtumbaugebiet der Bielefelder Sennestadt – es ist bundesweit eines der größten Sanierungsgebiete. Um eine Klimabilanz zu erstellen, wurde der Fokus auf exemplarische Straßenzüge mit 857 Haushalten in Reihenhäusern und im Geschosswohnungsbau gerichtet. Die Umfrage „Nah dran“ ergab, dass Teilsanierungen in 239 Reihenhäusern Einsparungen von 8,8 bis 56 kg CO2 je m2 der sanierten Fläche pro Jahr erzielten. Die beispielhafte Vollsanierung eines Musterhauses senkte den Energiebedarf des Gebäudes sogar um 61%. Insgesamt wurde bei diesem Gebäudetyp eine CO2-Einsparung von 795 t pro Jahr erzielt. Im Geschosswohnungsbau führte allein der Einbau energieeffizienter Fenster in 238 Wohnungen einer Eigentümergemeinschaft zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes um 144 t pro Jahr. Bei einer Hochrechnung der nachweislich im Umfragegebiet eingesparten 947 t CO2 pro Jahr auf die ca. 7.250 Wohneinheiten im Projektgebiet wird eine jährliche CO2-Einsparung von 6.725 Tonnen erreicht.

8 THESEN FÜR SANIERUNGSPROJEKTE

  • Bilde ein Projektteam, das zwischen Verwaltung und Politik vermittelt.
  • Bilde oder nutze eine verantwortliche Quartiersgesellschaft für die Transformation vor Ort.
  • Schaffe agile Strukturen, die die Menschen unmittelbar erreichen.
  • Setze genug Mittel für den Dialog und die offene Kommunikation ein.
  • Setze erreichbare und messbare Ziele, die lokal verortet sind.
  • Sei offen für die Menschen und mache die Ziele transparent.
  • Gehe schrittweise vor, um die Menschen nicht zu überfordern.
  • Nutze die Förderung, um weitere Projekte und Fördermittel zu akquirieren.
Hausakte Workshops

Hausakte Workshops

Eine Hausakte ist eine Dokumentation über den Bau- und Sanierungsstatus eines Hauses. Darin werden alle Untersuchungen am Haus, alle angefragten und alle durchgeführten Sanierungsmaßnahmen verzeichnet. Sie hat sich als Ansatz für die Sanierungsberatung bewährt.

 

Da ein offenes Beratungsangebot für die Sennestadt-BewohnerInnen an einem zentralen Standort auf wenig Nachfrage stieß, haben die Sanierungsmanager nach einer neuen Kommunikationsstrategie gesucht. Das Angebot, den Hausbesitzern in einem Workshop im Sennestadtpavillon beim Anlegen von Hausakten zu helfen, hat funktioniert. Die Workshops wurden teilweise in Kooperation mit der VHS durchgeführt. Wirksame Argumente für die Hausakte waren: endlich Durchblick im Unterlagenchaos; Hilfe bei der Bewertung der Immobilie; gemeinsame Diskussion von Wegen zum Werterhalt und zur Wertsteigerung. Die Workshops begannen mit der gemeinsamen Sichtung und Einschätzung aller Unterlagen. Es folgte ein Angebot zur Vertiefung mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Pläne, Daten, Verträge, gemeinschaftliche Sanierung mit Nachbarn). Im Ausblick ging es um Strategien zur Beseitigung von Mängeln und Problemen wie Schimmel, hohen Heizkosten, fehlendem Wohnkomfort. Auf diese Weise wurden standardisierte Sanierungsschritte erarbeitet. Die Workshops wurden gut angenommen, es gab viele Presseberichte und TeilnehmerInnen berichteten, sie seien jetzt besser in der Lage, Verantwortung für ihr Eigentum zu übernehmem.

Musterhaus als „gläserne Baustelle“

Die Sanierung eines typischen Reihenhauses am Ostpreußenweg wurde als Musterbaustelle durchgeführt. Dort ist exemplarisch gezeigt worden, welches Potenzial die Sennestädter Reihenhäuser für eine energetische Sanierung bieten und welche Vorteile sie den Bewohnern und der Sennestadt bringen. Ein Generationenwechsel war die Ausgangsbasis. Das freigezogene Gebäude sollte energetisch saniert und auf die Bedarfe der neuen Bewohner ausgerichtet werden. Der gesamte Planungsprozess und Bauablauf von der Anamnese bis zur Übergabe wurde über Presse, Facebook und öffentliche Besichtigungen transparent dargestellt und dokumentiert. „Hautnah“ und Schritt für Schritt konnten Interessenten den Ablauf mitverfolgen. Wegen zahlreicher baugleicher Gebäude im Quartier ist der Planungs- und Bauablauf gut übertragbar und wirbt optimal mit seinem positiven Ergebnis.

Musterhausplanungen

Musterhausplanungen

Die Sennestadt ist geprägt durch einen sehr homogenen Gebäudebestand. Allein ein Reihenhaustyp kommt fast 800 Mal vor.
Hierfür wurde eine Musterhausplanung erstellt, die unterschiedliche Lebenssituationen abbildet. Es geht um den Abbau von Barrieren, die Erweiterung des Wohnraums, die energetische Sanierung und die mögliche modulare Verbindung dieser Maßnahmen.

Energetische Stadtsanierung – wie ging es weiter?

Mit der Fortschreibung des Handlungskonzeptes Klimaschutz der Stadt Bielefeld und der Fortschreibung des INSEK Bielefeld-Sennestadt werden Stadtteilentwicklung und Klimaschutz im Quartier weiter zusammenwachsen und mit konkreten Projekten für die Menschen erlebbar. Mit der Entwicklung der Klimaschutzsiedlung auf einer Industriebrache werden Klimaschutzpotentiale ausgeschöpft in den Bereichen „Flächenrecycling“, „Entwässerung“, „Konstruktion“ und „Wärmeversorgung“. Die Stadtwerke Bielefeld werden dort eines der größten deutschen modularen kalten Nahwärmenetze im Contracting betreiben. Der politisch beschlossene Ausbau des Bielefelder Stadtbahnnetzes bis in die Sennestadt hinein wird einen nachhaltigen Akzent zur Mobilitätsentwicklung im Quartier setzen und Anreiz sein zur Veränderung des Modal Split.

Ausgezeichnetes Projekt der KlimaExpo.NRW

Ausgezeichnetes Projekt der KlimaExpo.NRW

KLIMAQUARTIER SENNESTADT

Wie gewinnt man Bürgerinnen und Bürger für die Energetische Sanierung im Stadtteil und schafft es gleichzeitig, ein einzigartiges Stadtbild zu bewahren? Die Sennestadt in Bielefeld macht es vor und wurde dafür im Rahmen der KlimaExpo 2015 von Bauminister Michael Groschek ausgezeichnet. Die Sennestadt GmbH nahm den Preis als Koordinatorin vor Ort entgegen. Das Projekt »Klimaquartier Sennestadt« ist beispielhaft für kooperative Quartiersentwicklung weil es bei den Sanierungsvorhaben auf Anerkennung und Vernetzung aktiver Bürgergruppen und kommunaler Netzwerke setzt.

CO2- Bilanz

 

7.250 Wohneinheiten Einsparungen pro Jahr 6.725 Tonnen CO2 (Hochrechnung).

Energetische Stadtsanierung – Das Projektteam

 

alberts.architekten ist spezialisiert auf die partizipative Entwicklung und Implementierung sozialer Architektur. Thorsten Försterling ist das „Gesicht vor Ort“. Das Institut für Bauforschung als bundesweit agierende Institution im Bereich Qualität und Nachhaltigkeit am Bau ist seit 1962 mit der Sennestadt, als Ideengeber verbunden.

Die Sennestadt GmbH wirkt seit 1956 in der Sennestadt – sie sorgt immer wieder für eine rasche Umsetzung guter Ideen und koordiniert das Projektteam.

Die Stadt Bielefeld berät interessierte BürgerInnen, verfolgt klar definierte Klimaschutzziele und verbindet den Stadtumbauprozess mit der energetischen Stadtsanierung.

Die Stadtwerke Bielefeld steuern Expertenwissen als lokaler Energieversorger bei und stehen für den zukunftsfähigen Umbau der Energiesysteme