Stadtteil-moderation

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Wie kann der soziale Frieden in einem historischen Stadtkern bewahrt bleiben?
Stadtteilmoderation

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Der partizipative Ansatz ist Auftrag: Mitreden ist Praxis

Das Büro für Soziale Architektur und Kommunikation unterstützte die Stadt Horn-Bad Meinberg bei dem Aufbau einer Verfahrenskultur mit Ansprache der Anspruchsgruppen und Entwicklung der Prozesskompetenz im Projektraum „Historischer Stadtkern“.

Gebäude mit dem Investitionsstau von 40 Jahren und eine Konzentration der Zuwanderung im Rahmen der EU-II Zuwanderung auf den Stadtkern Horn führten zur Verschärfung einer ohnehin bereits bestehenden sozialen Segregation.

Mindestens 300 Zugezogene ohne Sprachkenntnisse und mit undurchsichtigen Beschäftigungs- und Familienverhältnissen überforderten den Stadtkern. Die Unterbringungssituation in zahlreichen Immobilien gewährleistet die Mindestanforderungen an gesunde oder Wohnverhältnisse zum großen Teil nicht. Es entstanden mehrere „Bulgarenhäuser“ deren auswärtige Vermieter und Bewohner
die Schlagzeilen der Boulevard-Zeitschriften füllten.

Historische Gebäude, Slum-Lords und Fehlnutzungen

Historische Gebäude, Slum-Lords und Fehlnutzungen

Im Stadtkern sind 30 Problemimmobilien bekannt, die meisten davon sind historische Bauten, die Dichte der historischen, frühneuzeitlichen Bausubstanz ist in Horn ungewöhnlich hoch. In die zahlreichen, jahrhundertealten sogenannten Ackerbürgerhäuser haben EigentümerInnen seit der Nachkriegszeit nicht mehr investiert. Für die meisten Gebäude ist der Sanierungsstau von 40 Jahren augenscheinlich.

„Bauliche Missstände nicht von sozialer Betrachtung getrennt gesehen werden kann. Viele der vorgenannten baulichen und offensichtlichen Fehllagen sind Ergebnisse von sozialen Fehlentwicklungen.“

 
 

„Die sozialen Spannungen im Stadtteil Horn sind in den Jahren ab 2019 vollends eskaliert, Demonstrationen und Proteste mit rechtsextremen Tendenzen führten zu überregionaler medialer Aufmerksamkeit.“

Bürgerdialog

Bürgerdialog

Die Stadt Horn-Bad Meinberg hat den sogenannten „Bürgerdialog“ etabliert, der sowohl der Information als auch als Plattform für BürgerInnen dient, sich über die Zukunft des Stadtkerns auszutauschen. Der Bürgerdialog ist inzwischen in der Stadtgesellschaft akzeptiert und soll nach dem Wunsch der BürgerInnen weitergeführt werden.

Der Bürgerdialog und seine Verstetigung als selbsttragende Struktur im Stadtraum zählen zu den Leistungen, die im Spektrum der Stadtentwicklung entstanden sind. Hier hatte sich gezeigt, dass der Mangel an Kommunikation mit der Bürgerschaft solche neuen Strukturen unbedingt verlangte und nur solche zielführend sind, die Themenschwerpunkte setzen.

Impulsmaßnahmen stießen die im historischen Stadtkern an. Dazu gehörte die Entwicklung von drei Immobilien „Hausmann Reloaded“, „Tille-Reineke &Friends“ und die Stadtbauhütte, die insbesondere zur Aktivierung verschiedener Nutzergruppen beitragen sollen.

Die fehlende Erarbeitung eines Leitbildes für die Stadtentwicklung zeigte sich als Hemmnis. Es ist bisher in der Stadtentwicklung versäumt worden, eine Gesamtidee für den historischen Stadtkern zu entwickeln.

Persönlich verhaftet

Die Stadtteilmoderatoren gingen zu den Stadtteilfesten, tanzten mit syrischen Geflüchteten, schälten Kartoffeln, schauten Fotos von Früher, krochen auf Dachböden, waren über WhatsApp zu Unzeiten erreichbar. Viele ließen sich auf dem „blauen Stuhl“ ablichten, Geschichten entstanden. Ein solches an den Menschen orientiertes Handeln ist der richtige Ansatz.

Partizipation und Beteiligungskultur als Schwerpunkt in den Förderrichtlinien und zahlreichen zugehörigen Publikationen aufgeführt worden. Diese ermöglichen die Vermittlung komplexer Problemlagen und die breite öffentliche Diskussion städtischer Entwicklungsziele. Der sozialintegrative Ansatz des beauftragten „Büros für Soziale Architektur“, namentlich Thorsten Försterling und Marc Wübbenhorst, brachten für die Steuerungsunterstützung und den kommunikativen Ansatz aber auch in Preis-Leistung die beste Eignung mit, sodass dem Büro für Soziale Architektur im Februar 2019 der Zuschlag erteilt wurde. Der kommunikative und interkulturelle Ansatz war bei der Beauftragung ausschlaggebend.

Projektsteckbrief

01 Projektzeitraum

02/2019 bis 12/2021

02 Projektvolumen

175.000 € brutto (Auftragsvolumen)

03 Projektstandort

Horn-Bad Meinberg